Du wirst ständig unterbrochen? So holst du dir das Wort zurück!

Du wirst ständig unterbrochen?

Hands up, wenn du das kennst: Du hältst einen Vortrag, berichtest im Meeting über den Stand deines Projekts oder beteiligst dich an einer Diskussion – und wirst mitten im Satz unterbrochen. Dein Gegenüber walzt einfach über dich hinweg, lenkt das Gespräch in eine andere Richtung und du bist raus. Ärgerlich! Und nicht besonders gut für dein Selbstwertgefühl.

Aber weil es ja für jedes Problem mindestens 50 Lösungen und drei Abkürzungen gibt, erfährst du in diesem Artikel, was du tun kannst, wenn du nicht mehr ständig unterbrochen werden willst, und wie du dir souverän das Wort zurückholst, wenn es dir doch mal abgeschnitten wird.

Also Bildschirmhelligkeit hochdrehen, Notiz-App öffnen und off we go!

Warum es nervt, unterbrochen zu werden

Vielleicht denkst du, unterbrochen zu werden ist doch eigentlich nicht weiter tragisch, kein Grund gleich „mimimi“ zu machen, da kann man doch einfach drüber hinwegsehen? Im Einzelfall hast du damit sicher recht. Wenn es dir aber immer wieder passiert oder immer dieselben Leute über dich hinwegbrettern, dann hat die Sache System und lohnt einen genaueren Blick.

Nicht jede Unterbrechung ist gleich ein Affront. Aber häufige Unterbrechungen sind auch nicht ganz harmlos: Wenn du dich regelmäßig in Gesprächen abwürgen lässt und als Folge davon deine Gedanken und Argumente nicht einbringen kannst, ziehst du im Job und auch privat meist den Kürzeren. Zum einen fehlt dann deine Sichtweise, dein Input, deine Stimme in der Diskussion, und zum anderen setzen diejenigen, die mehr sprechen, dann die Themen. Allein das ist schon ein Skandal! 😉

Was aber noch schlimmer ist: Wenn es dir nicht gelingt, dir das Wort nach einer Unterbrechung zurückzuholen, wirst du außerdem als „schwächer“ wahrgenommen als die Person, die dich unterbrochen hat. Sollte das in deinem Sinne sein (z.B. weil du still & heimlich die Weltherrschaft an dich reißen willst), dann ist alles paletti. Wenn du inhaltlich und als Person allerdings ernst genommen werden willst, solltest du ständige Unterbrechungen nicht einfach hinnehmen. Gerade, wenn du noch nicht dreißig Jahre Berufserfahrung unterm Gürtel hast, musst du aktiv etwas dafür tun, respektiert zu werden.

Außerdem: Seien wir ehrlich, eine Unterbrechung fühlt sich nicht gut an. Selbst, wenn wir sie im Kopf relativieren, empfinden wir sie meist als Stich und fühlen uns gekränkt, zurückgesetzt oder übergangen. Das sorgt auf Dauer für Frust und ein Gefühl der Hilflosigkeit. Gar nicht gut für unser Selbstbewusstsein.

Lass dir also selbst bei so einer „Kleinigkeit“ wie dem Unterbrochen werden in Vorträgen und Gesprächen nicht die Butter vom Brot nehmen. Denn was im Kleinen anfängt, hört oft im Großen auf (und zerstört dir schnell die ganze Performance).

Prinzipiell kannst du an zwei Punkten ansetzen:

1. So sprechen, dass andere dir zuhören wollen (dich also gar nicht erst unterbrechen)

2. Dir bei einer Unterbrechung das Wort zurückholen

Beide Ansätze schauen wir uns jetzt mal genauer an!

1. Sprich so, dass andere dir zuhören WOLLEN

Die klassische Rhetorik hat zahlreiche Tipps & Strategien auf Lager, die deine Chancen erhöhen, dass andere dir wirklich zuhören und gar nicht erst auf die Idee kommen, dich zu unterbrechen.

Dazu zählen deine Körpersprache, deine Stimme, deine Gestik & Mimik, dein Tonfall und deine Haltung. Aber auch deine Wortwahl, Argumentation und Überzeugungskraft. Und natürlich deine persönliche Glaubwürdigkeit, Sympathie und Autorität. Mehr Tipps dazu findest du im Trainingsplan für mehr Durchsetzungsvermögen.

Als gute*r Rhetoriker*in strebst du einen harmonischen Dreiklang an, bestehend aus:

  • Logos“, also deinen Fakten, Argumenten und logischen Schlussfolgerungen -> WAS du sagen willst
  • Pathos“, deiner Fähigkeit, andere zu involvieren und emotional anzusprechen, sie aufzuwühlen, zu erfreuen, zu Handlungen zu animieren -> WIE du etwas sagst, und
  • Ethos“, deiner Persönlichkeit, deinem Charakter -> WER du als Absender deiner Botschaft bist.

Da das hier aber kein ausführlicher Rhetorikkurs werden soll, hier nur die wichtigsten Tipps für deinen nächsten Vor- oder Beitrag:

Du erhöhst die Wahrscheinlichkeit, dass andere dir zuhören wollen, wenn

  • dein Thema für andere interessant oder relevant ist,
  • du lebhaft und flüssig sprichst und wichtige Stellen betonst,
  • du praktische Beispiele und anschauliche Bilder verwendest,
  • du auf den Punkt kommst und nicht zu weit ausholst,
  • du Blickkontakt mit deinen Gesprächspartner*innen hältst,
  • du das Gesagte mit deiner Gestik & Mimik unterstreichst,
  • du keinen Monolog führst, sondern ein echtes Gespräch.

Die meisten Unterbrechungen kündigen sich übrigens an, z.B. durch hörbares Luftholen, nach vorne beugen und mehrmaliges Öffnen des Mundes. Wenn du merkst, dass dein Gegenüber unruhig wird und etwas sagen will, kannst du eine gezielte Pause machen oder eine Frage stellen und ihn/sie aktiv ins Gespräch einbinden. Dann hast du der anderen Person das Wort erteilt und wurdest nicht von ihr unterbrochen, das macht einen gewaltigen Unterschied.

Falls du selbst mal in der Zuhörerrolle steckst und dein Gegenüber ohne Unterlass redet und du nicht weißt, wie du den Redefluss stoppen kannst, dann findest du in diesem Artikel konkrete Hilfe. 😉

2. Wie kannst du auf Unterbrechungen reagieren?

First things first: Unterbrechung ist nicht gleich Unterbrechung. In den meisten Fällen steckt hinter der Unart des Nichtausredenlassens eher Übereifer oder Ungeduld als böse Absicht.

Du kennst das sicher: Je nach Gesprächsgegenstand und Kontext kann es vorkommen, dass man so in das Thema involviert und so engagiert ist, dass sprichwörtlich die Pferde mit einem durchgehen. Wir alle unterbrechen andere mal. Das ist ganz normal, gerade in lebhaften Diskussionen oder beim Austausch unterschiedlicher Meinungen. Weil die eigenen Gedanken revolutionär wichtig sind und unbedingt sofort hinaus in die Welt müssen. Oder weil wir Angst haben, unseren Gedanken sonst zu vergessen. Oder weil wir ungeduldig werden und das Gespräch vorantreiben wollen.

In diesen Fällen reicht es meistens aus, wenn du dich nach einer Unterbrechung bei der nächstbesten Gelegenheit wieder ins Gespräch einklinkst und dort weitermachst, wo du unterbrochen wurdest. Wenn es mehrmals hintereinander passiert, dass dir das Wort abgeschnitten wird, kannst du das auch offen thematisieren. Je nach Situation und deiner Beziehung zur anderen Person kannst du dabei mehr oder weniger humorvoll, persönlich, einfühlsam, direkt oder sachlich kommunizieren, z.B. so:

„Moment, ich war noch nicht fertig.“

„Lass mich bitte ausreden.“

„Unterbrich mich bitte nicht ständig.“

„Ich merke dass, du sehr engagierst bist. Ich finde das Thema auch spannend und möchte deshalb meine Sätze ohne Unterbrechung zu Ende sprechen können, ist das ok?“

„Ich habe durch deine Unterbrechung schon drei Mal den Faden verloren, lass mich den Gedanken bitte zu Ende bringen, bevor er wieder weg ist.“

„Fällt dir eigentlich auf, dass du mich ständig unterbrichst?“

„Also bei der nächsten Unterbrechung zahlst du 50 Cent in die Benimm-Kasse!“

„Willkommen in meinem Satz! Ich bin gespannt, wie du ihn zu Ende führst.“

„Sorry, dass ich rede, während du mich unterbrichst.“

Manchmal ist eine Unterbrechung aber auch mehr als nur eine übereifrige oder unbedachte Unhöflichkeit. Manchmal ist sie eine Demonstation von Macht und Überlegenheit, ein Statusspiel. Vor allem, wenn es immer wieder dieselben Menschen sind, die dir ins Wort fallen, vielleicht auch noch mit einem abfälligen Tonfall oder Grinsen. Dann hat das Ganze auf jeden Fall ein „Gschmäckle“, denn es wird bewusst oder unbewusst Macht ausgeübt. Wenn jemand sein Redebedürfnis und sein Rederecht wiederholt über deines stellt und das auch noch vor anderen Leuten, dann wird dein sozialer Rang nach außen hin abgestuft. Wenn du das zulässt, signalisierst du: „Mit mir kann man es ja machen.“

Und was einmal funktioniert hat, wird schnell ein zweites und drittes Mal wiederholt. What gets rewarded gets repeated. Wenn dir Respekt und Augenhöhe wichtig sind, solltest du also direkt auf Unterbrechungen reagieren und dir das Wort zurückholen. Wehret den Anfängen, wie es so schön heißt.

Falls dir also jemand in die Parade fährt, solltest du Blickkontakt aufnehmen und deinem Gegenüber fest in die Augen sehen. Heb gleichzeitig eine Hand ungefähr auf Brusthöhe und halte der anderen Person mit leicht gebeugtem Arm deine Handfläche entgegen wie bei einem „Stopp“. Damit signalisierst du, dass die andere Partei aufhören oder abwarten soll und bremst sie damit nonverbal, aber sehr effektiv aus. Beug dich leicht nach vorne und biete deinem Gegenüber wortwörtlich die Stirn. Dabei sprichst du mit fester Stimme und intensivem Blickkontakt einfach weiter und wendest dich ggf. nach ein-zwei Sekunden wieder den anderen Menschen in der Gruppe zu.

Du kannst die Unterbrechung auch offen thematisieren, indem du sagst:

„Ich spreche noch.“

„Ich bin noch nicht fertig.“

„Lassen Sie mich den Gedanken noch zu Ende führen.“

„Moment, ich möchte den Satz noch beenden.“

„Ich bin gleich fertig.“

„Sie haben mich gerade unterbrochen, lassen Sie mich diesen Punkt noch ausführen.“

Ganz wichtig: Entschuldige dich nicht! Beginne deinen Satz also nicht mit: „Entschuldigung, aber ich würde gerne noch …“ Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, ganz im Gegenteil.

Mit dieser souveränen Reaktion zeigst du, dass du mit dem Verhalten deines Gegenübers nicht einverstanden bist und dich behaupten kannst.

3. Umgang mit hartnäckigen Unterbrechungen

Falls dich dein Gegenüber trotzdem erneut unterbricht, dann verstumme nicht, sondern sprich in einem selbstbewusst-bestimmten Tonfall weiter und führ deinen Satz oder Gedankengang unbeirrt zu Ende. Auch wenn beide dann gleichzeitig reden. Unterbrechungsversuche gelingen nämlich nur, wenn du aufgibst und die Bühne räumst. Sprichst du hingegen weiter, ziehst du eine Grenze und signalisierst deutlich, dass du dir das Wort nicht wegnehmen lässt.

Wenn du doch überrollt wirst oder dein Gegenüber sehr viel lauter spricht als du, dann lass ihn trotzdem nicht einfach gewähren, sondern sprich ihn gezielt und mehrfach mit seinem (Vor-)Namen an. Wiederhol nur ruhig und bestimmt den Namen, sag nichts anderes: „Lars. Lars. Lars.“ oder „Lisa. Lisa. Lisa.“ In der Regel reagieren Menschen nach ein paar Mal darauf und fragen: „Was?“ Dann sagst du: „Ich war noch nicht fertig.“ und sagst dann, was du noch sagen wolltest. Klingt seltsam? Dann denk mal an die effektivste Strategie, die Kinder nutzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen: „Mama! Mama! Mama! Mama!“ -> “WAS?“ Funktioniert jedes Mal. 😉

Wenn dein Gegenüber hierarchisch höher gestellt ist und dir möglicherweise negative Konsequenzen drohen, kann es schwierig sein, eine Unterbrechung zu verhindern. Dann lass dein Gegenüber einige Sätze sagen und klink dich bei der nächsten Gelegenheit (z.B. einer Pause) wieder ins Gespräch ein. Lass dich nicht einschüchtern oder abwimmeln, sondern bleib beharrlich. Und vor allem: Gib deinem Gegenüber nach seiner Unterbrechung kein positives Feedback durch Lächeln oder Nicken. Belohne dieses Verhalten nicht auch noch durch Bauchpinseln. Wenn du wieder einsteigst, geh nicht darauf ein, was dein Gegenüber sagt, sondern knüpf direkt an das an, was du sagen wolltest, als du unterbrochen wurdest. Fass dich dabei so kurz wie möglich, um einer weiteren Unterbrechung zuvorzukommen.

„Ich sehe noch folgenden Punkt: …“

„Was mir noch wichtig ist: …“

Je nach Gegenüber kann dir diese Taktik durchaus Respekt und ein positives Standing einbringen.

Bei notorischen Unterbrechern kann es hilfreich sein, das Verhalten nach dem Vorfall (wenn der erste Ärger verraucht ist) unter vier Augen anzusprechen. Drück klar und sachlich aus, was vorgefallen ist, wie es dir damit ging und was du dir stattdessen wünschst:

„Als ich vorhin über XY gesprochen habe, hast du mich zwei Mal unterbrochen. Das hat mich irritiert, weil mir ein respektvoller Umgang miteinander wichtig ist und ich möchte, dass jeder Beitrag gehört wird. Bist du einverstanden, dass wir uns in Zukunft gegenseitig ausreden lassen?“

Das war übrigens gerade 100% GfK. Erstaunlich straight, oder? 😉

Für alle Fälle gilt: Übe diese Sätze unbedingt! Wir sind es in der Regel nicht gewohnt, so direkt und selbstbewusst zu kommunizieren. Die meisten von uns haben noch nie zu jemand anderem gesagt: „Ich rede noch“ oder „Ich bin noch nicht fertig“. Übe also laut vor dem Spiegel, mit einer Person deines Vertrauens oder auch ganz professionell mit mir. Damit dich nichts mehr aufhält!

Du traust dich oft nicht, für dich einzustehen, und fühlst dich nicht recht ernst genommen? Schnapp dir deinen gratis Trainingsplan für mehr Durchsetzungsvermögen im Job & leg den nächsten Gang ein!

Wie fühlst du dich, wenn dir jemand das Wort abschneidet? Fällt es dir schwer, dich zu behaupten? Was ist deine Lieblingsstrategie gegen Unterbrechungen? Schreib’s mir in die Kommentare!

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