Worte mit Wirkung: 7 Hacks für die richtige Wortwahl

Worte mit Wirkung: 7 Hacks für die richtige Wortwahl

Als großer Fan von Listen (du willst nicht wissen, wie viele Stunden meines Lebens ich auf Seiten wie diesen verbracht habe 😉 ) kann ich gar nicht anders als im Communicorn-Blog jetzt endlich auch eine Liste zu veröffentlichen! Und zwar zum wichtigen und häufig unterschätzten Thema Wortwahl.

Immer wieder hört und liest man ja, wie wichtig die Körpersprache und die Stimme für die zwischenmenschliche Kommunikation sind. Oft wird in diesem Zusammenhang die sogenannte 7-38-55-Regel angeführt, laut der angeblich nur 7 (!) Prozent der kommunikativen Wirkung durch den sprachlichen Inhalt erzielt wird, während die Stimme 38 Prozent und die Körpersprache 55 Prozent der Wirkung ausmachen.

Wie bitte?! Sollte es wirklich so unwichtig sein, WAS wir sagen? Mitnichten! Die Regel trifft nämlich nur dann zu, wenn die gesprochenen Worte im Widerspruch zu Gestik, Mimik und Tonfall stehen. Also wenn jemand mit leidender Miene haucht: „Alles ok, mir geht’s gut.“ In einem solchen Fall ist man tatsächlich gut beraten, sich nicht an die Worte, sondern an die Körpersprache & Stimme zu halten. 😉

In allen anderen Fällen ist die richtige Wortwahl ein ganz entscheidender Faktor für gelungene oder misslungene Kommunikation. Denn Worte wirken. Sie können die Wirklichkeit nicht nur abbilden, sondern auch mit erschaffen. (Falls dich interessiert, wie manche Menschen andere mithilfe von Sprache manipulieren, dann lies empfehle ich dir meinen Artikel Wirst du manipuliert? Vorsicht vor diesen Sprachtricks!)

Damit das hier aber wirklich ein Listen-Artikel wird und keine Doktorarbeit darüber, wie Worte unser Verhältnis zur Welt, zu anderen Menschen und zu uns selbst prägen (och menno!), verweise ich an dieser Stelle einfach auf diesen sehr lesenswerten Artikel der „Zeit“ über die große Macht von Sprache

Und wir schauen uns jetzt 7 ganz praktische Hacks für deine Wortwahl an, mit denen du deine Kommunikation in Lichtgeschwindigkeit aufs nächste Level beamst. 

Auf die Liste – fertig – los!

Sätze im Konjunktiv eignen sich hervorragend für höfliche Fragen und Bitten. Bei manchen Menschen nimmt das Ganze allerdings überhand und sie verwenden ständig „hätte, könnte, würde, dürfte“ etc. Das kann schnell verharmlosend oder anbiedernd wirken. Wenn du selbstbewusster auftreten möchtest, dann ersetze den Konjunktiv durch eine Formulierung im Indikativ:

„Ich würde gern einen Termin ausmachen.“  -> „Wann treffen wir uns das nächste Mal?“

„Ich hätte da noch eine Idee.“ -> „Ich habe noch folgende Idee.“

Dürfte ich noch einen Vorschlag machen?“ -> „Mein Vorschlag lautet: …“

„Ich könnte mir vorstellen, dass das funktioniert.“  -> „Das sieht erfolgversprechend aus.“

„Das wäre wirklich nett von dir.“ -> „Vielen Dank!“

Hast du schon mal versucht, NICHT an einen rosa Elefanten zu denken? Es ist schier unmöglich! Mehrere Studien haben gezeigt, dass es unserem Gehirn viel schwerer fällt, Mitteilungen zu verarbeiten, die uns auffordern, etwas NICHT zu tun, also solche, die uns sagen, was wir stattdessen tun sollen.

Vermeide also verneinende Formulierungen und sag stattdessen klar, was du willst, was geht und was der Fall ist:

„Vergiss den Termin morgen nicht!“ -> Denk an den Termin morgen!“

„Schrei doch nicht so.“ -> Sprich bitte leiser.“

„Wir sollten die Sache nicht überstürzen.“ -> „Wir sollten die Sache gut überdenken.“

„Ich habe es noch nicht geschafft, die Mail zu lesen.“ ->“Ich werde die Mail heute Nachmittag lesen.“

„Mach dir keinen Stress. / Kein Problem.“ ->“Lass dir Zeit. / Alles gut.“

Eine weitere Facette ist es, bei unangenehmen Mitteilungen statt negativ besetzten Begriffen lieber positive zu verwenden: 

„Kann ich dich kurz stören?“ -> „Hast du einen Moment Zeit?“

„Sorry, dass du so lange warten musstest.“ -> „Vielen Dank für deine Geduld.“

Positive Formulierungen helfen dir auch dabei, den Fokus auf eine mögliche Lösung zu richten statt auf das Problem. Vergleich mal die folgenden Fragen:

„Fühlst du dich so, weil dir XY fehlt?“ -> „Fühlst du dich so, weil du dir XY wünschst?“

„Geht es dir schlecht, weil …?“ -> „Würde es dir besser gehen, wenn …?“

Gehörst du auch zu den Menschen, die immer irgendetwas tun müssen: arbeiten, kochen, einkaufen, Geschenke besorgen, Sport machen, Menschen treffen?

Dann ist es vielleicht an der Zeit, dieses „bezwingende“ Wort aus deinem Kopf und deinem Wortschatz zu streichen. Denn ganz objektiv gesehen müssen wir im Leben (fast) gar nichts. Wir entscheiden uns für oder gegen etwas, weil wir bereit sind, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen – oder eben nicht. 

Wenn du diese Erkenntnis teilst, kannst du „Ich muss“ ersetzen durch „Ich darf / will / werde / kann / mache /entscheide mich für“

Fühlst du sie, die neue Freiheit? 😉

„Eigentlich, vielleicht, quasi, sozusagen, unter Umständen, möglicherweise, eventuell, ein bisschen” – zu viele von diesen Wörtern lassen deine Aussage unsicher wirken. Lass sie am besten weg, sie tragen in der Regel wenig zum Inhalt bei. Sag stattdessen klar, was du willst und was nicht:

„Das sehe ich anders.“
„Das gefällt mir (nicht).“
“Meine Meinung zu dem Thema ist, …”
“Das passt mir (nicht).” 

Worauf du außerdem verzichten kannst, sind Floskeln, mit denen du dich selbst klein machst und entwertest. Steh statdessen zu dem, was du sagen & fragen willst:

„Das ist jetzt wahrscheinlich eine dumme Frage, aber …“ -> „Was mich noch interessiert: …“

„Das ist natürlich nur meine Meinung, da wisst ihr sicher besser Bescheid.“ -> “Ich schlage vor, dass wir …”

„Ich bin zwar keine Expertin, aber vielleicht …“ -> „Meines Wissens nach …“

Noch mehr Tipps, wie du selbstbewusst kommunizieren kannst, findest du in meinem 4-Wochen-Trainingsplan für mehr Durchsetzungsvermögen im Job, den du dir hier kostenlos runterladen kannst!

Wir neigen dazu, das, was wir beobachten, direkt zu interpretieren und zu bewerten. Der Maßstab dafür ist – natürlich – unser eigenes Wertesystem und Weltbild. Wenn wir anderen Menschen dann eine Rückmeldung geben, teilen wir statt der Beobachtung gleich unsere positive oder negative Bewertung, gerne noch gewürzt mit Verallgemeinerungen wie nie, ständig oder immer.

Das hat ordentlich Konfliktpotenzial, denn die andere Person hat ganz sicher andere Bewertungsmaßstäbe als du. Wenn du einen Streit vermeiden willst, dann versuch stattdessen, so objektiv wie möglich zu schildern, WAS GENAU du gehört oder gesehen hast. Danach kannst du eine Frage stellen oder sagen, was das mit dir macht:

Nie bist du zu unseren Treffen pünktlich. Ich bin dir offenbar nicht wichtig.“ -> „Mir ist aufgefallen, dass du die letzten drei Mal zu unseren Treffen 15 Minuten zu spät gekommen. Wie kam das?“

„Ich kann dieses Chaos hier einfach nicht mehr ertragen.“ -> „Ich sehe, dass auf dem Fußboden mehrere Kleidungsstücke und Chipstüten liegen. Das stört mich, weil mir Ordnung sehr wichtig ist.“

„Warum ignorierst du mich?“ -> „Ich habe bemerkt, dass du häufiger auf dein Handy schaust, während wir reden. Bist du unruhig?“

Wenn wir zwei unterschiedliche Aussagen treffen, z.B. „Das Essen ist lecker“ und „Mir fehlt noch etwas Salz“, neigen wir dazu, sie mit einem „aber“ zu verknüpfen. Thing ist: „Aber“ entwertet die vorhergehende Aussage.

In dem Satz „Das Essen ist lecker, aber mir fehlt noch etwas Salz.“ haben nicht beide Teile dasselbe Gewicht. Dass etwas Salz fehlt, wiegt gefühlt schwerer – das Essen ist also offenbar doch nicht so lecker.

Wenn du beide Aussagen berechtigt findest, kannst du das „aber“ entweder komplett streichen oder du ersetzt es durch „und“, „gleichzeitig“ oder „zusätzlich“:

„Ich stimme dir zu, aber ich finde, dass …“ -> „Ich stimme dir zu. Gleichzeitig finde ich, dass …“

Wenn wir uns über jemanden ärgern, sind wir kommunikativ oft gar nicht bei uns selbst, sondern ganz bei der anderen Person und ihrem (unmöglichen) Verhalten. Unsere Sätze enthalten dann sehr viele Du-Botschaften, die sich hervorragend für Anklagen und Vorwürfe eignen. Perfekte Steilvorlagen für den nächsten Streit. Wie es besser geht? Konzentrier dich auf dich! Sag der anderen Person, wie es dir geht, was du empfindest, brauchst und willst:

Du bist so ein Tollpatsch!“ -> „Die Tasse war ein Geschenk meiner Mutter. Ich bin traurig, dass eine Ecke abgeplatzt ist.“

Deine Bedenkenträgerei geht mir total auf die Nerven!“ -> „Mir ist wichtig, dass wir erst einmal alle Ideen sammeln, bevor wir sie bewerten und uns entscheiden.“

„Warum hast du schon wieder schlechte Laune?“ -> „Ich hab mich sehr auf dich gefreut und bin bedrückt, dass es dir nicht gut geht.“

Sprich doch nicht immer so undeutlich.“ -> „Ich kann dich akustisch leider nicht verstehen.“

„Nie hast du Zeit!“ -> „Ich würde dich gern öfter sehen.“   

Damit greifst du die andere Person viel weniger an und machst nachvollziehbarer, worum es dir eigentlich geht.

Ich-Botschaften empfehlen sich übrigens auch, wenn du dazu neigst, Dinge so zu formulieren, als wären sie absolute Wahrheiten. Auch das fordert andere oft zu vehementem Widerspruch heraus, denn in ihrer Welt sieht die Sache meist ganz anders aus:

Das ist totaler Unsinn.“ -> „Ich halte das für Unsinn.“

„Sowas gehört sich nicht.“ -> „Ich möchte nicht, dass du das tust.“

Es ist doch klar, dass …“ -> „Ich finde, dass …“

„Da hast du recht / unrecht.“ -> „Da stimme ich dir (nicht) zu.“

Hach, schön, oder? 🙂

Wenn man das so liest, dann fragt man sich doch: Warum nicht gleich so? Warum können wir nicht alle immer so miteinander kommunizieren? Wozu die ganzen Missverständnisse und Konflikte?

Die Antwort ist so einfach wie folgenschwer:

Wir haben nicht gelernt, so miteinander zu reden.

In der Regel hat unser kindliches Umfeld mit uns über Anweisungen, Verbote, Lob & Tadel, Vorwürfe und Bewertungen kommuniziert. So haben wir sprechen gelernt. Und so sprechen wir häufig immer noch, denn die Menschen, die uns jetzt als Erwachsene umgeben, sind ja oft genau so sozialisiert worden wie wir.

Trotzdem solltest du das nicht achselzuckend als „normal“ hinnehmen. Denn wenn Kommunikation dysfunktional ist, du dich also nicht verständlich & nachvollziehbar mitteilen kannst, häufig Missverständnisse oder Streits erlebst oder dir die Worte aus Angst vor negativen Reaktionen im Halse stecken bleiben, dann wirkt sich das auf dein Selbstbewusstsein, deine Beziehungen und deine beruflichen Chancen aus.

Es lohnt sich also, das Thema anzugehen und in deine Kommunikationsskills zu investieren. Das Coole am Lernen ist: Es geht lebenslang! Du hast etwas als Kind nicht mitbekommen? Dann eignest du es dir eben jetzt an. Du kannst bis zum letzten Atemzug Neues lernen, es ist nie zu spät!

Hat dich dieser Mini-Pep-Talk motiviert, deine Kommunikation aufs nächste Level zu bringen? Dann melde dich bei mir! Denn das ist genau das, was ich als Kommunikationstrainerin tue. 😉

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Ich bin neugierig: Welche der 7 Hacks für deine Wortwahl wendest du bereits an? Welche sind dir vielleicht neu? Schreib’s mir in die Kommentare!

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