Verhandeln wie ein Profi: Die 7 effektivsten Strategien

Verhandeln wie ein Profi

Wenn man’s genau nimmt, besteht unser ganzes Leben aus Verhandlungen: innerhalb der Familie verhandeln wir übers nächste Urlaubsziel, mit Freunden über die Einladungen zur Mottoparty und im Job über unser Gehalt oder die Verteilung von Aufgaben. Immer, wenn zwei oder mehr Personen ihre unterschiedlichen Interessen unter einen Hut bekommen wollen, wird verhandelt.

Wenn das so ist, müssten wir doch eigentlich wahre Verhandlungsweltmeister sein! Wie kommt es dann, dass die meisten von uns so ungern in Verhandlungen gehen und sich vor möglichen Auseinandersetzungen gerne drücken?

Oft hat es damit zu tun, dass wir Verhandlungen als Kampf um Sieg oder Niederlage empfinden. Und seien wir ehrlich, niemand verliert gerne. Da gehen wir lieber kein Risiko ein (no risk – much fun?).

Außerdem haben wir Angst, unsere Beziehung zum Gegenüber zu beschädigen. Was, wenn es zum Streit kommt? Wenn man sich fiese Dinge an den Kopf wirft und laut wird? Viel zu gefährlich!

Und dann kommt noch hinzu, dass wir gar nicht so genau wissen, wie gutes Verhandeln eigentlich geht. Warum wir manchmal bekommen, was wir wollen und manchmal nicht.

Lass uns die schlechte Nachricht gleich hinter uns bringen: Auch wenn wir es nicht wollen, werden wir ständig verhandeln müssen. Wir kommen gar nicht drum rum. Wir können uns nur besser oder schlechter dabei anstellen.

Die gute Nachricht (denn die gibt es natürlich auch): Verhandeln kann man lernen! Jede*r kann lernen, souverän und erfolgreich zu verhandeln, die Chancen zu erhöhen, zu bekommen, was man will – ohne die Beziehung zum anderen zu gefährden.

Und es kommt sogar noch besser: Verhandlungen müssen nicht zwangsläufig schwierig und unangenehm sein. Wenn es dir gelingt, die spielerische Komponente des Aushandelns von verschiedenen Positionen und Interessen zu sehen, wenn du eine Verhandlung eher als sportliche Herausforderung statt als Bewährungsprobe mit der Gefahr des „Scheiterns“ siehst, dann können Verhandlungen sogar regelrecht Spaß machen! 😉

Na, das sind doch wirklich gute Nachrichten, oder?! Also, steigen wir ein!

1. Verhandlungen gründlich vorbereiten

Einer der wichtigsten Schritte, wenn du erfolgreich verhandeln willst, ist die gründliche Vorbereitung. Und ich meine wirklich gründ-lich!

Du solltest als erstes wissen, was dein Ziel ist und mit welchem Ergebnis du aus der Verhandlung rausgehen willst. Dazu solltest du dir mindestens zwei Ziele überlegen:

A) dein Idealziel, also das, was im optimalen Fall für dich rausspringen soll. Das kann durchaus ehrgeizig sein, sollte sich aber im Rahmen des Möglichen bewegen und nicht vollkommen unrealistisch sein (-> Recherche!)

B) dein Minimalziel, das du nicht unterschreiten willst. Bevor du dich auf weniger einlässt, solltest du die Verhandlung lieber vertagen oder abbrechen

Idealerweise überlegst du dir auch noch eine Alternative, falls deine Forderung z.B. nach mehr Gehalt, nicht durchkommt (mehr Urlaubstage o.ä.).

Wenn du mehrere Ziele definiert hast, überleg dir, welche dir besonders wichtig und welche verhandelbar sind. 

Als Nächstes sammelst du gute Argumente für deine Position. Wie du dabei vorgehst, habe ich hier näher beschrieben.

Außerdem solltest du alles, was du über dein Gegenüber weißt und herausfinden kannst, zusammentragen:

  • Wie tickt er?
  • Welche Motive, Beweggründe und Interessen hat er?
  • Wie steht er aktuell geschäftlich da (Unternehmenszahlen, …)?
  • Steht er unter Druck? 
  • Ist er jemandem verantwortlich?

Versuch hier, dich wirklich in die andere Person hineinzuversetzen. 

Wahrscheinlich fallen dir hier auch erste Gegenargumente gegen deine Position ein. Überleg dir, wie du sie entkräften oder kontern kannst.

Im nächsten Schritt legst du deine Strategie für die anstehende Verhandlung fest. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Verhandlungsstrategien:

  1. kooperativ
  2. kompetitiv

Im besten Fall gelingt dir und deinem Gegenüber eine Win-Win-Lösung, d.h. beide Parteien bekommen, was sie wollen und niemand geht als „Verlierer“ vom Platz. Dazu eignet sich der kooperative Verhandlungsstil besser als der kompetitive.

Selbstverständlich willst du deine Vorstellungen durchsetzen. Aber wenn du langfristig gut mit der anderen Person zusammenarbeiten willst, solltest du nicht mit brachialer Gewalt vorgehen und nicht versuchen, den anderen mit allen Mitteln zu überzeugen oder über den Tisch zu ziehen. All das wird zu verbrannter Erde oder Rachegelüsten bei deinem Gegenüber führen und eure Beziehung nachhaltig schädigen.

Zwei gute Leitsätze für den kooperativen Verhandlungsstil lauten:

Sei hart in der Sache, aber weich zum Menschen. (Harvard-Konzept)

Formuliere dein Anliegen freundlich, aber bestimmt. (assertive Kommunikation)

Überleg dir dann deine Taktik und Struktur für das Verhandlungsgespräch, also einen roten Faden oder eine Agenda, damit du bei hitzigen Debatten nicht den Überblick verlierst. 

  • Mit welcher Forderung willst du einsteigen? 
  • Wo siehst du Verhandlungsspielräume? 
  • Wie gehst du mit Widerstand und Manipulation um?
  • Wann steigst du aus?

Der letzte Schritt bei der Vorbereitung betrifft dein Mindset:

Ganz wichtig ist es, nicht als Bittsteller in eine Verhandlung zu gehen. Im Gegenteil! Sieh dich immer auf Augenhöhe mit deinem Gegenüber. Ihr wollt und braucht beide etwas voneinander, sonst würdet ihr gar nicht erst miteinander verhandeln. Ihr seid gegenseitig abhängig und keiner ist dem anderen über- oder unterlegen (Auch große Konzerne brauchen kleine Zulieferer und Vorstandsvorsitzende brauchen Trainees!). Geh also selbstbewusst in die Verhandlung und denk dir:

„Ich brauch dich und du brauchst mich. Wir sind auf Augenhöhe.“

Wenn du Verhandlungen normalerweise schwierig und anstrengend findest, dann denk mal daran, wie gut Kinder darin sind, zu verhandeln. Sie treten ja quasi immer gegen „überlegene Erwachsene“ an, haben aber überhaupt keine Scheu, ihre Wünsche zu äußern und hartnäckig zu verhandeln. Sie fokussieren sich darauf, was sie gewinnen können, fürchten sich nicht, auch mal zu verlieren, und haben großen Spaß daran, zu argumentieren und Erwachsene mit Fragen zu löchern, bis sie keine Antworten mehr haben. 😉

Mach dir diesen spielerischen Charakter von Verhandlungen bewusst, um selbstsicher und (wenn du ganz krass drauf bist) mit Freude ins Gespräch zu gehen. Lass das Gespräch sich entwickeln und agiere & reagiere flexibel darauf. Verhandeln darf durchaus Spaß machen. Denn wenn wir etwas mit Freude tun, geht es gleich viel leichter und wir sind häufig sogar erfolgreicher. Also: „Time to play!“

2. Für eine gute Atmosphäre sorgen

Ganz klar: Du solltest eine Verhandlung nie spontan, zwischen Tür und Angel führen, sondern immer vorab einen Termin mit der anderen Partei vereinbaren, am besten schriftlich per E-Mail. Du kannst durchaus den Gesprächsgrund nennen, damit dein Gegenüber sich darauf einstellen kann.

Besonders gute Zeitpunkte für Gehaltsverhandlungen sind übrigens der Abschluss eines erfolgreichen Projekts, das Bestehen der Probezeit, die Gewinnung eines neuen Kunden, die Übernahme neuer Aufgaben, eine Beförderung oder die Entfristung eines Vertrags.

Es lohnt sich immer, vor der eigentlichen Verhandlung für eine gute Gesprächsatmosphäre zu sorgen. Das beginnt bei geeigneten Räumlichkeiten, in denen ihr ungestört und unbeobachtet reden könnt. Denk ggf. auch an Getränke und einen kleinen Snack auf dem Tisch.

Am wichtigsten ist allerdings deine Haltung der anderen Person gegenüber:

Eigne dir am besten eine grundsätzlich wertschätzende Einstellung an (das ist übrigens ein goldener Tipp fürs ganze Leben!). Begreife dein Gegenüber als Partner, nicht als Gegner. Du willst nicht gegen die andere Person gewinnen, sondern du willst sie für dich gewinnen.

Bleib in deiner Kommunikation immer höflich und respektvoll. Lass dich nicht zu Anschuldigungen oder Vorwürfen hinreißen. Dabei hilft es, wenn du die Person von der Sache trennst. Also den Menschen immer mit Respekt behandelst, auch wenn du anderer Meinung bist.

Begrüße dein Gegenüber mit einem sicheren Händedruck, schau ihm freundlich und offen in die Augen und steh bzw. sitze aufrecht.

Bevor du direkt in die Verhandlung einsteigst, solltest du ein bisschen beziehungsfördernde Konversation machen und dich z.B. nach der Anreise, dem Wohnort oder dem Befinden deines Gegenübers erkundigen.

Ein psychologischer Trick ist dabei die sogenannte „Ja-Treppe“, d.h. du bringst die andere Person dazu, mehrmals „Ja“ zu sagen, z.B. indem du fragst:

„Hatten Sie eine gute Anreise?“

„Ist das nicht ein verrücktes Wetter heute?“

„Möchten Sie etwas trinken?“

Im NLP läuft das unter dem Begriff „Priming„, d.h. du konditionierst dein Gegenüber für die folgende Verhandlung auf ein „Ja“ (die Effektivität sollte allerdings nicht überbewertet werden 😉 ).

3. Der Einstieg: Verhandlungen richtig eröffnen

Wenn es dir irgend möglich ist, solltest du den ersten Zug machen und mit deiner Forderung oder deinem Angebot die Verhandlung eröffnen.

Warum? Weil du so vom „Ankereffekt“ profitierst. Da wir den Wert vieler Dinge und Leistungen schwer einschätzen können, neigt unser Gehirn dazu, die erste Zahl, die wir hören, als Referenzwert zu „verankern“. Alle folgenden Werte orientieren sich dann an diesem Bezugspunkt. Wenn du also z.B. bei einer Gehaltsverhandlung dein ideales Wunschgehalt genannt hast, hast du die Messlatte automatisch höher gehängt, als wenn dein Gegenüber mit seinem niedrigeren Angebot den Auftakt gemacht hätte. Dein Gegenüber wird sich in der folgenden Verhandlung automatisch an deinem gesetzten Rahmen orientieren.

Sei also nicht zu schüchtern, sondern nenne gleich zum Einstieg selbstbewusst dein Wunschgehalt.

Übrigens: Krumme Zahlen wirken überzeugender als glatte Zahlen. 52.780 € wirken, als hättest du es genau ausgerechnet, und nicht einfach aus der Luft gegriffen.

Und nochmal übrigens: Studien legen nahe, dass es sinnvoller ist eine Preisspanne anzugeben als nur eine Zahl. Dabei sollte die untere Zahl deine Idealvorstellung abbilden und die höhere noch darüber liegen (du weißt ja, der Ankereffekt 😉 ).

Halte dich mit Begründungen und Argumenten hier zurück. Nenne erst einmal nur dein Angebot bzw. deine Forderung und schweig dann. Halte die Stille aus, um deinen Worten mehr Gewicht zu verleihen.

In der Regel wird dich dein Gegenüber nach deinen Beweggründen oder Argumenten fragen, dann kannst du sie kurz, präzise und nachvollziehbar nennen. Gute Argumente für eine Gehaltserhöhung sind z.B. Umsatzsteigerungen, Kostensenkungen, mehr Verantwortung, höhere Leistung oder Weiterbildungen & Zusatzqualifikationen. 

Stell dann direkt eine Frage an dein Gegenüber, z.B.:

„Wie sehen Sie das?“

„Wie schätzen Sie meine Leistungen im letzten halben Jahr ein?“

Und zack bist du mitten drin im Verhandlungsgespräch!

4. Souverän verhandeln

Nachdem du zum Einstieg deine Forderung genannt und kurz begründet hast, lass nun die andere Partei reden. Dadurch bekommst du wichtige Einblicke in ihr Denken und Fühlen.

Hör aufmerksam zu und versuch zu verstehen, worum es ihm/ihr wirklich geht. 

Die Harvard-Methode empfiehlt dabei, die hinter den vorgetragenen Positionen liegenden Interessen der Beteiligten herauszufinden. Über Positionen kann man nämlich viel leichter in Streit geraten als über Interessen, daher lohnt es sich, tiefer zu graben (siehe auch das Thema „Bedürfnisse“ und „Strategien zur Erfüllung der Bedürfnisse“ in der GfK).

Lass die andere Person dabei ausreden und stell möglichst viele offene Fragen (die sogenannten W-Fragen). Zeig der anderen Person aktiv, dass du zuhörst und ihre Position verstehst. Dabei bricht dir übrigens kein Zacken aus der Krone, denn: Verständnis ist noch lange kein Einverständnis!

Greif das Gesagte auf und kommentiere es wertschätzend, z.B. so:

„Das ist ein wichtiger / interessanter Punkt. Dazu würde mich noch interessieren …“

„Verstehe ich Sie richtig, dass XYZ eine besondere Priorität für Sie hat? Ist A für Sie dringender als B?“

So zeigst du Empathie und baust eine vertrauensvolle Beziehung zu deinem Gegenüber auf.

Wenn dein Gegenüber dir ein Gegenangebot macht oder ebenfalls eine Forderung aufstellt, solltest du nicht sofort darauf eingehen. Auch dein Gegenüber pokert vermutlich erst einmal hoch und es lohnt sich so gut wie immer, weiterzuverhandeln.

Sag daher nicht zu früh „Ja“, „Nein“ oder „Das geht nicht“, sondern warte erst einmal ab, wie sich die Verhandlungen entwickeln. Wenn du dich zu früh festlegst, hast du weniger Verhandlungsspielraum, um deine Ziele ggf. auf eine andere als die von dir geplante Weise zu erreichen. Gib dir und deinem Gegenüber die Möglichkeit, kreative und unvorhergesehene Lösungen zu finden, mit denen ihr beide einverstanden seid. Wenn du länger vage und offen bleibst, vermeidest du auch unnötige Polarisierungen. Sag daher eher Sätze wie:

„Möglicherweise lässt sich dieser Punkt im weiteren Verlauf noch klären.“

„Das ist ein schwieriger Punkt, lassen Sie mich darüber nachdenken.“

Wenn du in der anschließenden Diskussion deine Argumente vertiefst, zeig deinem Gegenüber auf, warum dein Vorschlag oder deine Forderung auch für ihn gut ist und Vorteile hat. Geh also unbedingt auf den beiderseitigen Nutzen ein. 

Mach realistische Angebote und fordere aktiv Gegenvorschläge von deinem Gegenüber ein. Diskutiere möglichst alle Vorschläge und ihre jeweiligen Vor- oder Nachteile. Das hilft bei der gemeinsamen Lösungssuche.

Wenn die Verhandlungen nur zäh vorangehen oder ins Stocken kommen, dann überleg dir, bei welchen weniger relevanten Punkten du deinem Gegenüber entgegenkommen kannst. So signalisierst du Gesprächsbereitschaft und bringst wieder Bewegung in die Sache. Dein Gegenüber wird sich in der Regel nun verpflichtet fühlen, auch einen Schritt auf dich zuzugehen (moralischer „Zugzwang“ durch das Prinzip der Gegenseitigkeit).

Falls dein Gegenüber nicht von sich aus reagiert, kannst du auch offen ansprechen, dass du im Austausch für dein Entgegenkommen ebenfalls ein Zugeständnis erwartest:

„Ich kann mir vorstellen, Ihnen in diesem Punkt zuzustimmen, wenn Sie mir im Gegenzug bei XY entgegenkommen.“

Für die gesamte Verhandlung gilt: Treib dein Gegenüber nicht in eine Ecke, aus der er nur noch durch einen heftigen Gegenschlag oder mit Gesichtsverlust wieder herauskommt. Sonst machst du ihn dir nachhaltig zum Feind. Drohe also nicht mit Kündigung, Arbeitsverweigerung oder dem Abbruch der Verhandlung, sondern signalisiere immer Gesprächsbereitschaft, Offenheit und dein Interesse an einer guten gemeinsamen Lösung.

5. Mit Schwierigkeiten umgehen

Manche Gesprächspartner*innen setzen bei Verhandlungen gerne psychologische Tricks und Manipulation ein. Es lohnt sich, wenn du dir die wichtigsten Tricks bewusst machst und dich dagegen wappnest.

Häufig wird z.B. künstlich Druck aufgebaut, etwa durch zeitliche Verknappung. Lass dich niemals zu einer Entscheidung drängen. Du hast immer das Recht auf Bedenkzeit.

Häufig reagieren Verhandlungspartner*innen auch mit Killerphrasen auf eine Forderung oder ein Angebot. Überleg dir vorher gute Antworten auf die häufigsten Einwände und kontere sie elegant (orientiere dich z.B. hier an den Strategien 1-4).

Wenn dein Gegenüber z.B. behauptet, es gäbe aktuell keinen finanziellen Spielraum für Gehaltserhöhungen, kannst du antworten: 

„Ich weiß, Sie haben nur wenig Budget. Aber genau das werde ich durch XY ändern, denn …“

oder du verhandelst Alternativen:

„Ich bin mir der Situation bewusst. Lassen Sie uns daher über mögliche Zusatzleistungen sprechen.“

Alternativen zur Gehaltserhöhung sind z.B. Erfolgsprämien, mehr Urlaubstage, Home Office, Fahrkostenzuschüsse, ein Diensthandy oder eine betriebliche Altersvorsorge.

Lass dich nicht verunsichern, wenn dein*e Verhandlungspartner*in deine Leistung mit der von anderen vergleicht, nach dem Motto „Wir haben einen Dienstleister, der uns das gleiche 10% günstiger anbietet.“ Wenn das tatsächlich der Fall wäre, warum spricht dein Gegenüber dann überhaupt mit dir und nimmt nicht einfach den anderen? Antworte z.B. so:

„Über das Angebot anderer kann und werde ich nicht urteilen. Lassen Sie uns bitte bei meinem Angebot bleiben.“

Manche Menschen legen es auch darauf an, dich emotional zu destabilisieren. So werden sie z.B. plötzlich laut, fluchen oder schlagen mit der Hand auf den Tisch. Oder sie versuchen, dir Schuldgefühle einzureden angesichts deiner „egoistischen“ Forderung. Auch davon solltest du dich nicht beeindrucken lassen. Konzentrier dich auf deine Ziele und deine Strategie und spiel dein eigenes Spiel, nicht das des anderen. Sprich das unangemessene Verhalten ruhig und sachlich an und mach deutlich, dass du diesen Umgangston nicht duldest. Bei einem nochmaligen Auftreten wirst du aufstehen und das Gespräch unterbrechen oder beenden. Bestehe darauf, sachlich zum Thema zurückzukehren.

Wenn bei deinem/r Gesprächspartner*in tatsächlich die Gefühle hochkochen, lohnt es sich, mit Wertschätzung zu antworten und lösungsorientiert zu denken:

„Danke, dass Sie so offen reden. Es ist immer schwierig, wenn man nicht weiß, woran man ist, deshalb schätze ich es, dass Sie ihre Position so deutlich machen. Wir stehen ja vor dem gleichen Problem, lassen Sie es uns gemeinsam lösen.“

Oder – falls dir das mit der Wertschätzung nicht möglich ist – schau dein Gegenüber ruhig an, mach dir demonstrativ Notizen und sag dann:

„Ein schwieriger Punkt. Lassen Sie uns überlegen, wie wir gemeinsam eine Lösung dafür finden.“

Und was, wenn dein Gegenüber eine Drohung ausgesprochen hat? Dann solltest du diese Drohung unbedingt minimieren. Dein Gegenüber kann nach einer Drohung kaum noch ohne Gesichtsverlust zurückrudern, ist quasi verhandlungsunfähig und befindet sich in einer Sackgasse. Aus dieser musst du ihm heraushelfen, damit die Verhandlung überhaupt weitergehen kann. Minimieren kannst du eine Drohung z.B. so:

„Wenn ich Sie richtig verstehe, dann überlegen Sie … Lassen Sie uns eine Lösung finden, die uns beide zufriedenstellt.“

Mach also aus der angekündigten Drohung eine unverbindliche Überlegung, eine von verschiedenen Optionen.

Wenn die Verhandlung wegen Sturheit nicht vorankommt und zu scheitern droht, stell deinem Gegenüber folgende Frage:

„Was wird geschehen, wenn wir uns heute nicht einigen können?“

So überlässt du es der anderen Person, sich die negativen Folgen auszumalen, und animierst sie, doch noch nach einer Lösung zu suchen.

6. Optimales Verhandlungsergebnis sichern

Das ideale Ziel einer Verhandlung ist, dass beide Gesprächspartner*innen mit dem Gefühl nach Hause gehen, mehr bekommen als gegeben zu haben. Beide Seiten sollten das Ergebnis als Gewinn empfinden. Man spricht in diesem Fall auch von einer Win-Win-Lösung (siehe das klassische Beispiel der zwei Schwestern, die sich um eine Orange streiten).

Es geht also nicht vorrangig darum, dass jede Partei ein möglichst großes Stück vom Kuchen bekommt – wenn es sein muss auch auf Kosten der anderen, sondern darum, den Kuchen zu vergrößern, sodass alle mehr haben als vor der Verhandlung.

Die Frage ist also: Welche Mehrwerte ergeben sich für euch beide aus einer Einigung?

Das Ergebnis kann dabei durchaus von deiner ursprünglich angedachten Lösung abweichen, z.B. weil ihr zusammen eine noch bessere oder einfach ganz andere Lösung gefunden habt. Bleib also beharrlich, was dein Ziel angeht, aber flexibel beim Lösungsweg.

Bei Gehaltsverhandlungen könnte es z.B. eine Lösung sein, dass du erst im neuen Geschäftsjahr eine Gehaltserhöhung bekommst, dafür aber dieses Jahr ein paar Tage Sonderurlaub mitnimmst.

Neben der echten Win-Win-Lösung kann auch ein gerechter Kompromiss ein gutes Ergebnis sein, solange du dein festgesetztes Minimalziel nicht unterschreitest.

Fass die erreichten Ergebnisse am Ende nochmal zusammen und schließ die Verhandlung möglichst positiv ab. Bedanke dich immer bei deinem Gegenüber für seine Zeit und das konstruktive Gespräch. Betone, dass du dich freust, dass ihr eine tragfähige und für beide Seiten gute Lösung gefunden habt.

Wichtig ist, dass du die Ergebnisse der Verhandlung schriftlich festhältst und von deinem Gegenüber unterschreiben oder schriftlich bestätigen lässt. Nur so kannst du sicher sein, dass eure Vereinbarung verbindlich ist, und dich im Zweifelsfall darauf berufen.

7. Die Verhandlung nachbereiten

Weil die meisten von uns froh sind, wenn eine Verhandlung vorbei ist, wird dieser Schritt leider häufig vergessen, dabei ist er genauso wichtig wie die vorherigen. Nach der Verhandlung solltest du das Gespräch und das Ergebnis unbedingt nachbereiten und dich fragen:

  • Was ist gut gelaufen?
  • Was hätte besser sein können?
  • War meine Strategie erfolgreich?
  • Habe ich meine Ziele erreicht?
  • Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden?
  • Wie ist das Verhältnis zu meinem Gesprächspartner jetzt?
  • Wie habe ich auf Schwierigkeiten reagiert?
  • Hatte ich bei irgendetwas ein schlechtes Gefühl?
  • Was hat mich überrascht?
  • Was kann ich aus dieser Verhandlung für die Zukunft lernen und mitnehmen?

Denk dran: Nicht jede Verhandlung kannst du gewinnen. Aber bei jeder Verhandlung gewinnst du an Erfahrung. 😉

Üben, üben, üben

Am Anfang wirst du in Verhandlungen vermutlich entweder zu weich und nachgiebig oder zu hart und schroff auftreten. 

Als echter Verhandlungsprofi beherrschst du hingehen den Spagat zwischen Empathie und Durchsetzungsstärke. ( ->Hart in der Sache, weich zum Menschen. Freundlich, aber bestimmt.)

Wie fast alles andere auch ist erfolgreiches Verhandeln Übungssache. Je öfter du verhandelst, desto selbstsicherer und souveräner wirst du im Umgang mit unterschiedlichen Gesprächspartner*innen und -situationen. Ich empfehle dir daher, jede noch so kleine Gelegenheit zu nutzen, um das Verhandeln zu üben und Schritt für Schritt sicherer und gelassener zu werden.

Wenn bei dir eine größere Verhandlung im Job ansteht, dann kannst du dich an mich wenden. Im individuellen 1:1-Training bereite ich dich umfassend auf dein Gespräch vor, zusammen konkretisieren wir deine Ziele, Forderungen & Argumente und spielen die Verhandlungssituation so oft durch, bis du dich selbstsicher und jedem Widerstand gewachsen fühlst!

Du traust dich oft nicht, für dich einzustehen, und fühlst dich nicht recht ernst genommen? Schnapp dir deinen gratis Trainingsplan für mehr Durchsetzungsvermögen im Job & leg den nächsten Gang ein!

Auf welche Verhandlungsstrategie setzt du? Hast du in einer Verhandlung schon mal alles bekommen, was du wolltest? Was macht dir im Vorfeld vielleicht noch Bauchschmerzen? Schreib’s mir in die Kommentare!

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